Gemeindeteil Aigen am Inn


Die ersten Ansiedler im Mittelalter dürften Fischer gewesen sein, wobei die Herren dieses Landstriches damals die Grafen von Katzenberg auf der heute oberösterreichischen Seite des Inns waren. In diese Zeit fällt auch die Legende vom Gelöbnis des Burgfräuleins von Katzenberg und dem im Inn angeschwemmten Leonhardibildnis, das zur Entstehung der Wallfahrtskirche zum hl. Leonhard führte und darum herum zu einem schnell wachsenden Dorf. Der Ort Aufhofen bzw. Aufhoven kam 1010 (zusammen mit Irching, Hart und Aufhausen) als Schenkung Kaiser Heinrichs II. an das reichsunmittelbare Kloster Niedernburg. Als dessen Besitz wurde er 1161 und abschließend 1193 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa dem Hochstift Passau übereignet und offiziell als "Aufhoven im (stephanischen) Aigen" (Eigentum des Hochstifts) benannt. Der Bau der ersten steinernen romanischen Kirche soll bereits 1180 begonnen haben und wurde zur Endzeit der Romanik, im Jahr 1250, fertig gestellt. Der Sattelturm, Teile der Ostmauer, die Südseite des Schiffes und der rechteckige vordere Mittelpfeiler im Innenraum bestehen noch heute und wurden in den zweischiffigen, gotischen Neubau des Jahres 1460 eingefügt. Die Wallfahrt in Aigen, die dem hl. Leonhard geweiht war, nahm in dieser Zeit immer stärkeren Aufschwung. Im Jahr 1470 erhob der Passauer Fürstbischof das Fischerdorf Aigen zur Hofmark. Eine rege Bautätigkeit setzte ein, unter anderem wurde ein mächtiger Kastenbau aus Tuffsteinquadern, der Zehentstadl errichtet. Auch der Neubau der Pfarrkirche St. Stephan von 1470 bis 1518 fiel in jene Zeit. Leider wurde bei mehreren schweren Bränden in den Jahren 1680 bis 1685 auch das gesamte historische Archiv vernichtet. Die Wallfahrer, ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für Aigen, brachten vor allem kleine, eiserne Opfertiere dar. Sehenswert sind auch die sog. Würdinger, große Eisenfiguren, an welchen man seine Kraft messen konnte. In der Blütezeit der Aigener Wallfahrt ließ sich Kardinal Fürstbischof Johann Philipp Graf von Lamberg im Jahr 1704 ein fürstbischöfliches Jagdschloss bauen. Leider brannte das prunkvolle zweite Stockwerk im Jahr 1810 ab und wurde nicht mehr aufgesetzt. Mit der Säkularisation und der Zeit der Aufklärung fanden auch die Wallfahrten in Aigen ihren Niedergang. Die prunkvollen Leonhardi-Umritte fanden allerdings in den 70er Jahren eine wahre Renaissance und stellen am Sonntag vor dem 6.November (Leonhard) eine überregional beachtete Veranstaltung für Einheimische und Gäste dar.