Kläranlage und Wasserwerk Bad Füssing

Die Kläranlage Bad Füssing wurde Ende der sechziger Jahre als mechanische Anlage mit Schlammbehandlung für eine Ausbaukapazität von 28.000 Einwohnerwerte (EW) errichtet. Der Anlagenstandort wurde weit außerhalb der Bebauung des Kurortes in Höhe der Einleitungsstelle in den Inn gewählt. Infolge einer Steigerung der Zulaufbelastung erfolgte Anfang der achtziger Jahre eine Erweiterung der Anlage auf 50.000 EW mit Errichtung einer biologischen Reinigungsstufe.

In den Jahren 1997 und 1998 wurde die Kläranlage wegen neuer Anforderungen an die Ablaufqualität für die weitergehende Abwasserreinigung hinsichtlich Stickstoffeliminierung zur Nitrifikation und Denitrifikation umgebaut. Die Anlagenkapazität betrug etwa 60.000 EW.

Weiter gestiegene Zulauffrachten und die Notwendigkeit der Erschließung von neuen Wegen in der Klärschlammentsorgung erforderten neuerliche Umbaumaßnahmen. Bis zum Jahr 2005 wurde eine Erweiterung der Anlagenkapazität auf 95.000 EW mit Optimierung der Gesamtanlage durchgeführt. Dabei wurden insbesondere das Belebungsbeckenvolumen vergrößert und zwei neue Nachklärbecken sowie eine maschinelle Schlammentwässerung errichtet. Im Bereich der bestehenden Kläranlage wurden erforderliche Sanierungsmaßnahmen und eine Ertüchtigung der Altanlagen hinsichtlich des Explosionsschutzes durchgeführt.

Neben den ständig erforderlichen Maßnahmen zur Erhebung des baulichen Anlagenzustandes waren die durchgeführten Umbauarbeiten notwendig um die Kläranlage an die Veränderungen der Zulaufbelastungen und an geänderte Vorgaben hinsichtlich der zulässigen Ablaufqualität anzupassen.

Erweiterungs- und Optimierungsmaßnahmen
In der Kläranlage Bad Füssing erfolgt die Reinigung des Abwassers der Gemeinde Bad Füssing und der umliegenden Mitglieder des Abwasserverbandes. Die Abwasserreinigung hat die Aufgabe feste Stoffe zurückzuhalten und organische Verschmutzung und Nährstoffe zu entfernen. Um die Kläranlage Bad Füssing auch für Belastungsspitzen weiterhin betriebssicher und unter Einhaltung der vorgegebenen Überwachungswerte für den Kläranlagenablauf betreiben zu können, wurde die Anlage in den Jahren 2002 bis 2005 mit nachstehenden Schwerpunkten umgebaut. Nach Durchlaufen der Kläranlage ist das Wasser bezogen auf den biochemischen Sauerstoffbedarf zu 99% gereinigt.

Belebungs- und Nachklärbecken
In den Belebungsbecken wird die Selbstreinigung von Flüssen und Seen in kürzester Zeit und auf engsten Raum nachempfunden. Es werden Bakterien und niedere Lebenswesen in hoher Konzentration unter optimalen Lebensbedingungen gezüchtet. Sie ernähren sich bei hoher Luftzufuhr von Schmutzstoffen. Durch die Mikroorganissmen werden Schlammflocken gebildet, die in den Nachklärbecken durch Absetzen, aus dem Abwasserstrom entfernt werden. Das bestehende Belebungsvolumen musste infolge der gestiegenen Zulaufbelastung, vor allem zur Abdeckung der Belastungsspitzen die durch die Obstkampagne im Herbst auftreten, erweitert werden. Die bei hohen Durchflussmengen überlasteten Nachklärbecken wurden durch den Bau von zwei Becken mit größerer Tiefe ersetzt.

Klärschlammentwässerung
Mit verschärften Abgabebestimmungen und steigenden Vorbehalten war die landwirtschaftliche Abnahme des Klärschlammes stark rückläufig und eine gesicherte Entsorgung gefährdet. Als neuen Entsorgungsweg wurde die derzeitige Verwertung in Rekultivierungsmaßnahmen gefunden. Um den Klärschlamm besser transportieren und verwerten zu können, ist eine Entwässerung erforderlich. Hierzu wurde eine Anlage zur mechanischen Schlammentwässerung mit einer Hochleistungszentrifuge errichtet.

Blockheizkraftwerk
Das in den Faulbehältern anfallende Klärgas wird mit Hilfe eines Blockheizkraftwerkes verstromt; die Motorabwärme wird gleichzeitig für Heizzwecke genutzt. Durch die Verwendung moderner Motorentechnik kann erheblich mehr Energie erzeugt werden. Der Erlös aus der Einspeisung ins Netz konnte somit um etwa 30% gesteigert werden.

Klärschlammdesintegration
Derzeit wird eine so genannte Desintegrationsanlage zur Steigerung der Klärgasproduktion installiert. Dabei wird ein Teilstrom des Klärschlammes vor der Einfüllung in die Faulbehälter über einen Behälter geführt, indem eine Behandlung des Schlammes mit Ultraschall stattfindet.

Pumpwerk am Inn
Seit Ende der sechziger Jahre fördert das Pumpwerk am Inn das in der Kläranlage gereinigte Abwasser im Dauerbetrieb in den Inn. Mit einer Pumpwerkssanierung wurden die Förderpumpen grundüberholt bzw. schadhafte Pumpen und Druckleitung neu installiert. Durch eine komplette neue Pumpwerkssteuerung mit Fördermengenregelung konnte der Stromverbrauch des Pumpwerkes um mindestens 25% reduziert werden. Bei Durchführung der Umbaumaßnahmen wurde besonderen Wert auf eine zentrale Betriebssteuerung und Betriebsüberwachung gelegt. Durch gezielte Maßnahmen, insbesondere im Bereich der Energieverwertung, wurde die Wirtschaftlichkeit des Klärwerksbetriebes weiter verbessert.

Klaerwerk_Flyer.pdf

3.0 M

Technische Daten
Mechanisch-biologische Anlage mit Nitrifikation, Denitrifikation und Phosporel imination, Anaerobe, Schlammfaulung und energetische Klärgasverwertung, maschinelle Schlammentwässerung, Betriebsgebäude und Fahrzeughalle

Allgemeines
Jahresschmutzwassermenge 95.000 m³
Trockenwetterabfluss Q td 12.000 m³/d
Max. Trockenwetterabfluss Q th 750 m³/h
Mischwasserabfluss Q mh 1.500 m³/h
Biochem. Sauerstoffbedarf BSB 5 ca. 5.000 kg/d
Stickstoff gesamt N ges ca. 950 kg/d
Phosphor gesamt P ges ca. 120 kg/d

Rechenanlage
1 Feinrechen mit 6 mm Spaltweite, Rechengutwäsche und Rechengutpresse

Sandabscheidung
Belüfteter Sandfang mit Leichtstoffabscheidung, Sandwaschanlage

Vorklärbecken 95.000 EW
Volumen 507 m³
 
Vorgeschaltete Denitrifikation 
Umlaufbecken Volumen 507 m³
 
Belebungsbecken 
Denitrifikation 2 x 800 m³
Denitrifikation/Nitrifikation 2 x 1.100 m³
Nitrifikation 2 x 2.000 m³
Drehkolbenverdichter 4 x 650 bis 3.100 Nm³/h
 
Nachklärbecken 
Durchmesser 2 x 30 m
Tiefe (2/3 Beckenradius) 4,00 m
Volumen 2 x 3.000 m³
 
Pumpwerk am Inn 
Pumpe I und II 100 l/s
Pumpe III und IV 300 l/s
 
Faulbehälter I und II 
Volumen 2 x 1.330 m³
Faulschlammanfall ca. 20.000 m³/a
Faulgaserzeugung ca. 320.000 m³/a
 
Schlammentwässerung 
Zentrifuge 35 m³/h
Trockensubstanz n. Entwässerung ca. 30 % TS

Blockheizkraftwerk 
Elektrische Leistung 115 kW
Wärmeleistung 120 kW
Gesamtwirkungsgrad 88 %
 
Investitionskosten 
Rohbau/Ausbau netto 3.100.000 €
Maschinentechnik netto 2.500.000 €
Elektrotechnik netto    900.000 €
Gesamtinvestitionskosten netto 6.500.000 €