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Die 19 Jahre alte Kurverwaltung wird saniert - PNP vom 20.09.08

Übersichtlicher soll die Kurverwaltung werden - und eleganter. Der Bauausschuss sagt Ja. Foto: Jörg Schlegel

Kostenschätzung geht von 1,2 Millionen Euro aus - Regierung stellt Förderung von 50 Prozent in Aussicht - „Können Leistungsfähigkeit nicht zeigen“

(Bettina Durner, Bad Füssing) Vor 19 Jahren ist die Kurverwaltung mit ihren 550 Quadratmetern eröffnet worden. Seither hat sich viel im Kurort getan. So kommen mittlerweile doppelt so viele Gäste in Bad Füssing an, die beraten und informiert werden wollen. Auch die Technik hat sich mit einem eigenen Call Center, sehr vielen E-Mail-Anfragen und anderem verändert. Und seit einigen Jahren blüht der Handel mit Bad-Füssing-Souvenirs. Dem allen kann die Kurverwaltung in ihrer jetzigen Form nicht mehr gerecht werden. „Das Personal kann nicht zeigen, was es kann“, fasste es 2. Bürgermeister Günter Köck im Bauausschuss zusammen. Mit einem Umbau und einer Sanierung soll sich dies ändern. Dafür sind rund 1,2 Millionen Euro nach einer ersten Schätzung angesetzt, 50 Prozent Förderung hat die Regierung in Aussicht gestellt. Der Bauausschuss hat mit der Gegenstimme von Rudolf Egginger dafür gestimmt. Dessen Kritik: Er will alles transparenter haben, mehr Arbeitsplätze direkt an der Theke und dafür weniger abgeschlossene Büros.

Souvenirs stiefmütterlich präsentiert

Architekt Georg Leeb stellte die Pläne vor, rund eineinhalb Stunden diskutierte der Bauausschuss darüber. Die Pläne sind im Einklang mit Kurdirektor Rudolf Weinberger, dem Personal der Kurverwaltung und dem Bauamt Bad Füssing entstanden. Leeb zeigte erst einmal die Mängel auf: Der Erkerfront an der Ostseite hat die Feuchtigkeit arg zugesetzt, teilweise hat sich schon Schimmel unter den Fußböden gebildet. Außerdem baut sich zu viel Hitze auf, weil den halben Tag die Sonne auf die Glasscheiben brennt. Die Luft staut sich auch in den Büros, hier wird eine Lüftung nötig. Die Poststelle, wo palettenweise Kataloge angeliefert werden, ist schlecht zu erreichen. Denn die Anlieferung erfolgt derzeit über den Rathausplatz, wo die Lieferwagen sich einen Weg durch die Fußgänger und Fahrräder bahnen müssen. Leeb sprach von ungeordneten Plakatwänden, Vitrinen mit Souvenirs und deren stiefmütterlicher Präsentation, obwohl der Handel mit diesen Produkten laut Kurdirektor Weinberger sehr gut laufe. Das Personal müsse sich das Gewünschte vom Kurgast erst zeigen lassen und es dann von anderer Stelle holen. Die Leute würden von allen Seiten - vor allem zu Stoßzeiten - in die Kurverwaltung drücken, können dann aber nicht klar erkennen, wohin sie wirklich müssen. Dann zeigte Leeb Lösungen auf. So wird die Erkerfront entfernt. Stattdessen entsteht ein 5 mal 26 Meter großer erdgeschossiger Anbau aus Ziegel und Fenstern, der mit einem Pultdach versehen wird. „Dadurch entstehen vier zusätzliche Büros und ein Shop für die Souvenirs“, so der Planer. Dieser Shop bekommt eine Glasschiebetür zur Kurverwaltung hin und ein Schaufenster nach außen. Ohne großen technischen Aufwand will Leeb für die Frischluftzufuhr der drei fensterlosen Büros sorgen, eine Abluftanlage sei nicht nötig. Da hakte Köck ein. Er will, dass dem Gemeinderat, der sich demnächst mit den Plänen beschäftigt, auch ein Be- und Entlüftungssystem vorgestellt wird. Köck geht es um den Energieaufwand, wenn sieben Monate im Jahr kalte Frischluft aufgeheizt werden muss. Ein Sanierungsfall ist auch der Brunnen in der Kurverwaltung, der ohnehin schon abgebaut ist. Ihn will der Planer an einer Wand des Stiegenhauses als Wasserschleier bauen. Dort befindet sich jetzt eine kleine Stufe, die zum Podest erweitert wird. Für die Poststelle soll es eine andere Zufahrt geben. Und zwar über den Parkplatz an der Ostseite und dann über einen kurzen, neu anzulegenden Weg zur Rückseite des Gebäudes. In der Kurverwaltung selbst wird die „hässliche Betonkassettendecke“, so Leeb, unter einer schallhemmenden Gipsschutzdecke versteckt. In dem Hohlraum verlaufen dann Leitungen und können die Lichtbänder installiert werden. „Wir legen viel Wert auf Helligkeit, aber auch auf Energiesparen“, so Leeb. Köck forderte, dass dem Gemeinderat sowohl das Bussystem als auch die herkömmliche Installation der Elektrik vorgestellt wird. Auch der Boden mit den Solnhofener Platten wird durch Fein-steinzeug ersetzt. „Das ist besser zu pflegen und beständig gegen das Streusalz“, nannte Leeb die Vorteile.

Charakter einer Hotel-Lobby

Drei Litfasssäulen hat Leeb für Plakate vorgesehen („Das ist ordentlicher als Wände“), ebenso ausreichend Bänke und Tische für die Gäste, da die sich oft länger in der Kurverwaltung aufhalten würden. Großbildschirm, zwei zusätzliche Serviceterminals, 24-Stunden-Infoschalter im Windfang, das alles wird es neben Prospektständern an den Wänden auch geben. Dreh- und Angelpunkt soll die neue geschwungene Theke sein, sie wird auch durch das Lichtkonzept in den Mittelpunkt gerückt. Direkt an der Theke entstehen vier Arbeitsplätze, daran anschließend zwei abgeschlossene Büros. Und genau das erregte den Unwillen von Rudolf Egginger. Er möchte die Theke um die beiden Büros erweitert wissen und so weitere Thekenarbeitsplätze schaffen. „Die Kurverwaltung soll transparenter werden, die Angestellten mit den Gästen besser verbunden, ja konfrontiert sein“, so seine Meinung. Mit der er allerdings alleine stand. Denn Kurdirektor Weinberger erklärte, dass es auch Bereiche gebe, wo in Ruhe gearbeitet werden müsse. Zum Beispiel bei der Bearbeitung von E-Mails, bei telefonischer oder intensiverer persönlicher Beratung, im Beschwerdemanagement. Außerdem seien die Kollegen bei starkem Andrang auf Rufdistanz, er sah also keine Notwendigkeit einer größeren Theke. Insgesamt werden 25 Arbeitsplätze entstehen, für jeden Mitarbeiter einer, wenn auch nie alle gleichzeitig da sind. Ebenso gibt es Beratungszimmer für individuelle Gespräche. Auch wegen der Personal- und Gäste-WCs gab es eine Debatte, denn letztere sind sehr eng. Ob nun dem Personal von den drei Toiletten (in Zukunft sollte es eine Herren- und zwei Damentoiletten geben) eine abgezwackt wird, damit die Gäste-WCs vergrößert werden können, auf eine Trennwand zwischen Waschbecken und Pissoir im Herren-Personal-WC verzichtet wird, damit hat sich dann der Gemeinderat zu befassen. Am Schluss ging es dann um das Wichtigste: die Finanzierung. Eine erste Kostenschätzung des Architekten ergibt knapp 1,2 Millionen Euro, die Wirtschaftsabteilung der Regierung hat eine Förderung von 50 Prozent in Aussicht gestellt. Im heurigen Haushalt sind 100 000 Euro für die Planungen enthalten, die Investition selbst verteilt sich auf die Jahre 2009 und 2010. Weinberger machte deutlich, wie notwendig die Sanierung ist. „Wir haben in jedem Bereich Probleme, müssen mit Provisorien arbeiten und können unsere Leistungsfähigkeit gar nicht zeigen.“ Die Kurverwaltung sei ein zentraler Aufenthaltsort der Gäste (270 000 Kurgäste und rund 1,3 Millionen Tagesgäste kommen jährlich nach Bad Füssing). „Wir müssen uns präsentieren wie eine Hotel-Lobby“. Ordnung ins jetzige Durcheinander bringen, das will auch Christina Hecka.

Quelle: Passauer Neue Presse