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Ein Willkommensfest für Bärin Franzi - PNP vom 04.08.08

Freuen sich, dass es jetzt mit der Eröffnung des Bärenparks bei Hart geklappt hat (v.l.): Bad Füssings Bürgermeister Alois Brundobler, Dr. Arpad von Gaal, Vorsitzender der Gewerkschaft für Tiere, und Parkleiter Adelward Niederhofer. Fotos: Jörg Schlegel

Feierliche Einweihung des Gnadenhofs für Bären -
Video-Übertragung aus der Box - Andreas Tod noch ungeklärt 

(Von Karin Polz, Bad Füssing) „In Bad Füssing steppt der Bär“, stellte Bürgermeister Alois Brundobler anerkennend fest. Bei der Einweihung des Gnadenhofs in Hart jedenfalls stand Bärendame Franzi im Mittelpunkt: Auf Videoleinwand war sie dank einer Live-Übertragung gegenwärtig, während die Ehrengäste ihre Ansprachen hielten, das Anwesen gesegnet wurde und die Besucher die Anlage erkundeten.

Überschattet wurde die feierliche Einweihung freilich noch vom Tod der zweiten Bärendame Andrea, die am Dienstag auf dem Transport von Kroatien nach Hart gestorben ist. „Es handelt sich bei den Bären, die wir am Gnadenhof aufnehmen wollen, um Tiere, die körperlich und seelisch erschöpft sind“, erinnerte Dr. Arpad von Gaal, Vorsitzender der Gewerkschaft für Tiere, bei seiner Rede. Die Gewerkschaft habe alles unternommen, um die Tiere so sicher wie möglich zu transportieren. „Dass ein Tier den Transport nicht übersteht, ist ein Risiko, das wir in Kauf nehmen müssen, wenn wir den Tieren helfen wollen“, so von Gaal. Das Ergebnis von Andreas Obduktion erwartet von Gaal in dieser Woche.

In seiner weiteren Ansprache stellte Dr. Arpad von Gaal aber die erfreulichen Seiten des Gnadenhofs in den Mittelpunkt, die guten Dinge, die man den geschundenen Tieren tun wolle: „Die Bären haben psychische Schäden oder sind aus dem Naturrhythmus gerissen - oder sie kennen die Natur gar nicht. Wir wollen ihnen ihr psychisches Gleichgewicht und ihren Naturrhythmus wiedergeben.“ Die Bärin habe 18 Jahre in einer privaten Anlage gelebt, in einem vier Quadratmeter großen Gitterkäfig mit Betonboden.

„Gnadenhof ist kein Zoo oder Wildpark“
An die neu gewonnene Freiheit wird sich Franzi nun erst langsam gewöhnen: Momentan hält sie sich in Innen- und Außenboxen im so genannten Drehkreuz auf, nach der Quarantäne darf sie in ein Eingewöhnungsgehege, bevor es dann in das elf Hektar große Gelände des Bärenparks geht.

Dass sie sich erst noch an ihr neues Heim gewöhnen muss, zeigt ein Blick auf die Video-Leinwand, auf der während der Einweihung Franzi stets zu beobachten war - nahe kommen dürfen ihr Besucher weder jetzt noch später: Die Bären sollen ihre Ruhe haben. Wie Dr. Arpad von Gaal auch betonte: Man habe einen Gnadenhof gebaut, keinen Zoo oder Wildpark.
Dabei zeigt sich Franzi durchaus von ihrer „wilden“ Seite: Ruhelos drehte sie ihre Runden in ihrer Box, stemmte sich am Gitter hoch, schüttelte den Kopf. „Franzi ist ein bisschen zickig, sie ist heute grantig“, bestätigte Parkleiter Adelward Niederhofer. Nicht ohne Grund: „Wir haben die Fütterung verschoben, sie hat Hunger“, erklärte Tierpflegerin Michelle Klappert.

Essen gab es erst nach den Ansprachen, unter anderem erinnerte Bürgermeister Alois Brundobler an den Ideenreichtum des Bärenpark-Initiators Dr. Andreas Grasmüller, der während der Planung des Projekts verstarb. Stellvertretender Landrat Josef Federhofer äußerte den Wunsch nach einer guten Zusammenarbeit auch in der Zukunft. Projektleiter Erich Schiller übergab den Schlüssel an die Verantwortlichen des Bärenparks und lobte vor allem Adelward Niederhofer für sein Engagement. Pfarrer Alfred Hable und Diakon Georg Herrmannsdörfer segneten schließlich die Anlage.

Dann endlich wurde Franzi vor laufender Kamera gefüttert. „Sie ist eine Naschkatze“, hat Adelward Niederhofer schon festgestellt. Das wird man auch ausnutzen, um sie künftig zu beschäftigen: Ein ausgehöhlter Baumstamm mit kleinen Löchern wird als Depot für Leckereien dienen, die sich Franzi dann erarbeiten muss.

Besonders aber freut sich Niederhofer auf den Moment, wenn Franzi das erste Mal in den Wald darf. Dann kann sie selbst nach Beeren suchen, um ihren Hunger zu stillen. Und vielleicht leistet ihr dann auch bald ein weiterer Bär Gesellschaft: „Ich habe schon einige Tiere im Visier“, ließ Dr. Arpad von Gaal wissen.

Quelle: Passauer Neue Presse

Symbolischer Akt: Projektleiter Erich Schiller (r.) übergibt den Schlüssel für den Bärenpark bei Hart an Dr. Arpad von Gaal. Großes Interesse: Zahlreiche Besucher kommen zum „Tag der offenen Tür“, um sich das Gelände anzusehen.
Ein Ritt auf dem Holzbären - ein Spaß für die kleinen Besucher. Noch hinter Gittern ist Bärin Franzi. Wenn der Tierarzt grünes Licht gibt, darf sie die Quarantänestation verlassen. Aber Leckereien gibt es jetzt schon. Tierpflegerin Michelle Klappert füttert Franzi mit Nüssen.