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Nichts zu machen: Post zieht in Supermarkt - PNP vom 23.08.08

JU-Vorsitzende Christina Hecka übergibt bei der Informationsveranstaltung, an der auch Bürgermeister Alois Brundobler (hinten v.r.) und MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler teilnehmen, die Unterschriftenlisten an Hugo Scheuenpflug, regionaler Politikbeauftragter der Deutschen Post AG. Foto: Jörg Schlegel

Eigenbetriebene Filiale in Bad Füssing macht zu - Versuch eines klärenden Gesprächs gescheitert - Gründe bleiben unklar

(Markus Gerauer, Bad Füssing) Die Hoffnung stirbt zuletzt. In Bad Füssing ist sie - was den Fortbestand der eigenbetriebenen Postfiliale in der Rathausstraße betrifft - jetzt tot. Denn wie Mitglieder der JU, Bürgermeister Alois Brundobler, MdL Prof. Dr. Gerhard Waschler und Peter Kranzmann, Vorsitzender des Kur- und Gewerbevereins, nun erfuhren, ist der Umzug der Post in einen Supermarkt unumkehrbar. Fest steht: Am 16. September eröffnet eine Partnerfiliale im Edeka-Markt Neukauf 50+. Das teilte Hugo Scheuenpflug, regionaler Politikbeauftragter der Deutschen Post AG, bei einer Infoveranstaltung mit. Die Gründe für den Umzug bleiben indes im Dunkeln.

Lob für das Engagement der Bad Füssinger JU

Sie haben alles versucht, die JU-Mitglieder um Vorsitzende Christina Hecka, damit die Post die Filiale in der Rathausstraße weiterführt. Protestaktionen wurden organisiert, eine Unterschriftenaktion wurde ins Leben gerufen, es wurden Briefe geschrieben an den Vorstand der Post AG, Infoveranstaltungen wurden initiiert. Ein Engagement, für das sich Bürgermeister Alois Brundobler beim Treffen im Restaurant „Feinspitz“ bei der JU bedankte. Diesem Engagement ist es auch zu verdanken, dass das Treffen zustande gekommen ist. Hugo Scheuenpflug kam in den Kurort, um noch einmal detailliert offene Fragen zu beantworten und vorhandene Zweifel zu zerstreuen. Es ist ihm nicht gelungen. Wie verärgert Bad Füssing über die Entscheidung der Post ist, das war schon den Einführungsworten Brundoblers zu entnehmen: „Der Umzug der Post ist für den Kurort und auch für die Post AG ein großer Imageverlust. Ich verstehe die Entscheidung nicht.“ Vor allem deshalb nicht, weil die besondere Bedeutung Bad Füssings als größter Kurort Europas anscheinend bei der Entscheidung der Post AG keine Rolle gespielt habe. „Die Entscheidung ist vom Vorstand am grünen Tisch getroffen worden, ohne Kenntnis der Verhältnisse. Das ist überhaupt nicht durchdacht“, machte Brundobler seinem Ärger Luft. Der Eröffnung am 16. September werde er fernbleiben. „Eine Umstrukturierung des Filialnetzes der Post nach der Rasenmähermethode“, kritisierte auch Waschler. Indes, alles Argumentieren half nichts. Hugo Scheuenpflug hatte nur eines zu verkünden: Der Umzug in den Supermarkt steht fest. Er bemühte sich, diesen Umzug durch die veränderte Marktsituation für die Post zu erklären. Die Post sei nun einmal eine Aktiengesellschaft. „Und als solche ist das Unternehmen auf der einen Seite seinen Kunden verpflichtet. Auf der anderen Seite aber ist die Post auch gegenüber ihren Kapitalgebern verantwortlich. Und die erwarten, dass das Unternehmen rentabel geführt wird“, so Scheuenpflug. Auch deshalb habe man das Filialnetz auf andere Füße stellen müssen. Weg von der eigenbetriebenen Postfiliale, hin zur Partnerfiliale bei regionalen Einzelhändler. Damit werde man auch seiner Verantwortung für das flache Land gerecht. Auf die Veränderungen in Bad Füssing eingehend, hatte er nur vermeintlich gute Nachrichten dabei: Wenn die Post in den Edeka Neukauf 50+ umzieht, dann „ist die Versorgung für den Bürger besser“. Unter anderem führte Scheuenpflug längere Öffnungszeiten ins Feld, und auch Synergie-Effekte. „Das ist doch praktisch, wenn man beim Einkaufen im Supermarkt auch gleich seine Postgeschäfte erledigen kann“, pries er einen Vorteil des Umzugs. Er versicherte: „Es wir keine Einschränkungen im Service geben. Die Post kommt mit allem, was es jetzt in der Filiale in der Rathausstraße gibt, in den Supermarkt.“ Auch in Sachen Personal konnte er die Aufregung in Bad Füssing nicht verstehen. „ Es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Kräfte, die wir in Bad Füssing abziehen, werden in anderen Bereichen dringend gebraucht“, so Scheuenpflug. Zwei Kräfte der Postfiliale gehen mit in den Supermarkt. Sie werden an Edeka ausgeliehen, von der Post AG bezahlt. Wie die Mitarbeiter dann im Markt eingesetzt werden, das sei bedarfsabhängig und Sache von Edeka.

Details im Markt sind Sache von Edeka

Im Markt wird eine zweischaltrige Postanlage eingerichtet. Wo, auch das ist Sache von Edeka. Der Mietvertrag, auch das erklärte Hugo Scheuenpflug auf Nachfrage, sei unbefristet. Man habe sehr wohl vor, diese Partnerfiliale auf Dauer zu führen. „Aber natürlich hat die Post ein Kündigungsrecht“, gab der Politikbeauftragte einen Einblick in weitere Details. In einem anderen Punkt indes hielt er sich sehr bedeckt. Das Warum für den Umzug - für die Bad Füssinger wird es immer im Dunkeln bleiben. „Das hängt mit internen Unternehmenszahlen zusammen. Die bekommen Sie von mir nicht“, stellte Scheuenpflug klar. Trotz aller Beteuerungen, dass es keine Einschränkungen geben wird - ein fader Beigeschmack bleibt, wie Alois Brundobler kommentierte: „Wir müssen die Entscheidung zur Kenntnis nehmen, akzeptieren müssen wir sie nicht.“

Quelle: Passauer Neue Presse