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Mit Schmalzgebackenem lockt man Bären - PNP vom 28.08.08

Willkommen im neuen Reich: Die Bärin schaut sich in ihrem neuen Zuhause, dem Eingewöhnungsgehege, interessiert, wenn auch etwas skeptisch um. Fotos: Gerleigner

Braunbärin Franzi kann Leckereien nicht widerstehen und wagt sich so doch ins Eingewöhnungsgehege

(Renate Mandl, Bad Füssing) Die Freiheit musste Bärin Franzi gestern erst einmal schmackhaft gemacht werden. Rund 15 Minuten lang ließ sie sich bitten. Erst als die Tierpflegerinnen sie mit Schmalzgebackenem lockten, wagte sie sich im Bärenpark ganz vorsichtig in die große Freiheit. Nach 25 Jahren auf einer Betonfläche von vier Quadratmetern hat die Braunbärin gestern Vormittag zum ersten Mal in ihrem Leben natürlichen Waldboden betreten - im knapp einen Hektar großen Eingewöhnungsgehege. Ihren ersten Freigang nutzte das rund 170 Kilo schwere Tier freilich nicht nur zum Naschen, sie nahm auch gleich ein Bad im Teich.

„Für sie ist ja alles fremd“

Ich bleib lieber, wo ich bin: Bärin Franzi will zunächst ihre Gitterbox nicht verlassen.Rund einen Monat ist es her, dass Braunbärin Franzi, die aus Kroatien stammt, ihr neues Zuhause im Gnadenhof für Bären in Hart bezogen hat. Im so genannten Drehkreuz, einer Quarantänestation mit zwei Innen- und zwei Außenboxen, war sie seither untergebracht. Von großer Freiheit war da noch nicht viel drin. Gestern gegen 10.30 Uhr war es dann endlich so weit: Franzi durfte ihr Übergangsquartier verlassen und ihr neues Zuhause, das große Eingewöhnungsgehege, beziehen. An der Außenbox mit den starken grünen Gitterstäben hebt sich langsam der Schieber. Doch Franzi ist skeptisch, dreht ein paar Runden, zögert, wagt sich nur mit äußerster Vorsicht zur Öffnung ins Freie, das immerhin mit Gras, Bäumen, Das Schmalzgebackene sieht aber lecker aus: Das will sich Franzi nicht entgehen lassen.Sträuchern und sogar einem Teich lockt. Raus will sie partout nicht. Dr. Arpad von Gaal, Vorsitzender des Bärenpark-Bauherrn Gewerkschaft für Tiere, wundert das nicht: „Für sie ist ja alles fremd. Sie hat Freiheit und Natur noch nie erlebt.“ Die vielen Medienvertreter, die, zum Teil auf Leitern, am Zaun stehen und gespannt der Dinge harren, tun ihr Übriges, dass Franzi den Weg nach draußen scheut. Da ist guter Rat teuer - oder auch nicht. „Wir versuchen’s mit einer leckeren Bestechung“, hat Tierpflegerin Sissy Bletschacher die rettende Idee. Rasch sind einige Stücke Schmalzgebackenes organisiert, die quasi als Köder draußen vor die Gitteröffnung platziert werden. „Für solche Kiacherl würd ich schon rausgehen“, ist auch Bürgermeister Alois Brundobler vom Erfolg der Aktion überzeugt. Zumal, wie Bärenparkleiter Adelward Niederhofer weiß, „Franzi eine richtige Naschkatze ist“.

Beim nächsten Umzug geht’s ins große Gehege

Und raus ist sie. Im Eingewöhnungsgehege ist nämlich noch mehr von dem leckeren Schmalzgebackenen.Doch so schnell lässt sich Franzi doch nicht austricksen. Das erste „Kiacherl“, das ganz nahe an der Öffnung liegt, kann sie sich angeln, ohne die Box zu verlassen. Doch dann siegt doch der Appetit auf noch mehr Süßes - und die Bärin tappst ins Freie, um sich das restliche Schmalzgebackene einzuverleiben und ebenso vorsichtig wie neugierig die nie gekannte Natur zu erkunden. „Das ist ein erhebender Moment. Nach 25 Jahren Kerkerhaft, auf einem Betonboden mit ringsum Gitterstäben, kann die Bärin jetzt endlich die Natur kennenlernen. Da geht einem das Herz auf“, strahlt Dr. von Gaal, während Franzi Zaun mit Aussicht: Viele Medienvertreter beobachten Franzis Umzug ins Freie.vorsichtig in den kleinen Teich steigt. Auch Bürgermeister Brundobler ist begeistert: „Ich finde es herrlich, dass dieser Bär im Riedenburger Wald eine neue Heimat in der Natur gefunden hat.“ Mal rechts, mal links, wieder zurück und dann ein Stück ins Unterholz, zwischen den Wurzelstöcken durch und weiter zu den Weidenzweigen: Bärin Franzi erkundet ihr paradiesisches neues Zuhause ganz langsam und immer mit der Nase voran. „Die Bärin geht wie ein Kleinkind auf Entdeckungsreise durch die Natur. Und es ist keine Mutter da, um ihr alles beizubringen. Sie muss auch erst richtig gehen lernen, sie geht nicht wie ein Bär“, sagt Adelward Niederhofer, der nach dem Umzug mit einem noch größeren Besucherstrom rechnet. Um Franzi das Eingewöhnen zu erleichtern und sie besser beobachten zu können, wird sie ihre Nächte zunächst weiter in der Quarantänestation verbringen. In ein paar Monaten soll sie dann ein letztes Mal umziehen - in das 4,5 Hektar große Hauptgehege. Alles in allem ist Franzi wohlauf und frisst gut, wie auch der Zoologische Fachberater Dr. Dieter Heubeck bestätigt. Ganz anders bei Bärin Andrea, die vor einem Monat den Transport von Kroatien nach Hart nicht überlebt hat. „Das Ergebnis der Untersuchung an der Uniklinik München ist jetzt da. Die Bärin hatte einen schweren Herzschaden, der nicht diagnostiziert war. Sie ist an einem akuten Herz-Kreislauf-Versagen gestorben“, berichtet Dr. Gaal. Und auch, dass Franzi nicht lange allein bleiben soll: „Es könnte schon vor dem Winter klappen, dass ein weiterer Bär in den Gnadenhof kommt.“

Quelle: Passauer Neue Presse